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14. September 2022

Die Herausforderungen verlangen das gemeinsame Handeln – Tarifpolitik kann die Energiekrise nicht bekämpfen

Zum Auftakt der Verhandlungen mit der IG Metall hat der Verband der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie e. V. (VSME) die Forderung der Gewerkschaft von 8 Prozent Entgelterhöhung als unangemessen zurückgewiesen.

Die Aussage der Gewerkschaft, dass es in den letzten Jahren eine erhebliche Lohnzurückhaltung gegeben habe, ist falsch. Die Mitarbeiter der M+E-Industrie haben seit 2018 deutliche Verbesserungen der Einkünfte erhalten, insbesondere mit jährlich wiederkehrenden Zahlungen, die die gleiche Kostenwirkung haben wie Tabellenerhöhungen – seit 2018 über 10 Prozent (siehe beiliegendes Faktenblatt 1).

VSME-Verhandlungsführer Stefan Koch erklärte zu den Verhandlungen:

„Die Sorgen der Mitarbeiter wegen der Inflation teilen wir, aber die vielfältigen Preissteigerungen  treffen auch die Wirtschaft massiv. Diese Situation haben weder die Mitarbeiter noch unsere Unternehmen zu verantworten. Diese Krise kann somit nicht mit Tarifpolitik bekämpft werden. Dafür braucht es unmittelbare staatliche Maßnahmen, vor allem seitens der Bundespolitik:

  • Bekämpfung der Ursachen der Inflation, vor allem im Energiebereich mit der unverzüglichen Ausweitung der inländischen Energieerzeugung (siehe Kernkraftwerke sowie Kohlekraftwerke, soweit wie technisch möglich).
  • Reduzierung der staatlichen Steuern und Abgaben, auch hier vor allem auf Energie.
  • Maßnahmen zu einem krisengerechten Energiemarkt-Design.

Der VSME hat die Gewerkschaft aufgefordert, in dieser Frage gemeinsam zu handeln, um den Schaden für die Mitarbeiter, aber auch für die Betriebe und die Arbeitsplätze zu begrenzen. Dies wäre eine erste Übereinkunft, die man unverzüglich treffen kann – eine gemeinsame Intervention bei der Bundesregierung.

Viele Unternehmen selbst haben existentielle Probleme durch die Energieengpässe und explodierende Kosten – und zwar unmittelbar (Energierechnung) und mittelbar (Verteuerung Vorprodukte).

Die Behauptung der Gewerkschaft, dass die M+E–Betriebe die Kostensteigerungen einfach in Form höherer Preise an die Kunden weitergeben können und dadurch keinerlei negative Ergebniseffekte entstehen, trifft in der Breite nicht zu. Im Übrigen würde lediglich die Inflation weiter befeuert.

Für die nachhaltige Inflationsbekämpfung und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe, und somit der Arbeitsplätze, müssen folgende Maßnahmen unverzüglich umgesetzt werden:

  • Verhinderung Lohn-Preis-Spirale (Löhne dominieren die Wertschöpfungskosten).
  • Investitionen in Maßnahmen zur Energieeinsparung sowie Energieunabhängigkeit.
  • Prävention zur Aufrechterhaltung der betrieblichen Prozesse bei einer Energiemangellage
    (Energieaudit, Lastmanagement, Energieeffizienz etc.).
  • Erhöhung des Ausstoßvolumens bei physischen Gütern zur Stärkung der Angebotsseite, d. h. Erhöhung der Produktionskapazitäten dort, wo die Kundennachfrage deutlich größer ist und die aktuell vorhandene Kapazität übersteigt.
  • Umgehende Transformation des eigenen Produktionsprofils mit Fokus auf Produkte, welche die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren. Nebeneffekt: Innovation im Sinne CO2-neutraler Energiekreisläufe mit langfristig erheblichen Exportpotentialen.
  • Re-Organisation der Wertschöpfungsketten (Wertschöpfungstiefe und Re-Lokalisierung innerhalb der EU).

Alle diese Aufgaben sind extrem anspruchsvoll. Der Ausgleich politisch induzierter Preisschocks kann nicht noch zusätzlich den Unternehmen auferlegt werden, ohne gleichzeitig deren Existenz zu gefährden.

Alle Beteiligten sind sich zudem im Klaren darüber, dass die sächsische M+E-Industrie die zügige Anpassung an die neuen Herausforderungen in den Wertschöpfungsketten im Wesentlichen selbst bewältigen muss, dies wird niemand sonst für uns tun. Die nun im Eiltempo zu vollziehenden Korrekturen zur Krisenbewältigung sind ohne die Produkte und Dienstleistungen aus den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie nicht zu schaffen. Und auch das gehört zu einer ehrlichen Analyse: Der Anpassungsprozess braucht selbst bei größten nationalen Anstrengungen mehrere Jahre, nicht Tage und Wochen.

Die Verhandlungen werden im Oktober fortgesetzt.

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