Die erste Verhandlung im Rahmen der Tarifrunde 2026 für die Metall- und Elektroindustrie (M+E) im Tarifgebiet Sachsen zwischen dem Verband der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME) und der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen hat heute in Chemnitz stattgefunden.
Hierzu erklärt der VSME-Verhandlungsführer Stefan Koch:
„Die Forderung der IG Metall nach einer Erhöhung der Entgelte um 5% binnen 12 Monaten ist überzogen und passt nicht zur wirtschaftlichen Realität der meisten Betriebe. Unsere Branche steht in Sachsen weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Gesamtwirtschaft aus, die im ersten Halbjahr 2026 erneut geschrumpft ist.
Wir erleben eine bedrohliche Deindustrialisierung. Darüber hinaus belasten hohe Steuern und Abgaben, steigende Energiepreise und überbordende Bürokratie die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen massiv. In dieser Situation müssen wir alles daransetzen, den Standort zu sichern und wieder attraktiv für Investitionen zu machen.
Die Zahlen sprechen für sich: In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres sind die Auftragseingänge der sächsischen M+E-Industrie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 2% und die Umsätze um 3% zurückgegangen. Preisbereinigt fallen die Rückgänge sogar noch stärker aus. Besonders angespannt bleibt die Lage in der Automobilindustrie: Dort sind Auftragseingang und Umsatz um 13 bzw. 10% gesunken. Dabei hat die Automobilindustrie mit mehr als einem Fünftel der Beschäftigten ein erhebliches Gewicht für unsere Branche in Sachsen.
Eine nachhaltige Trendwende ist weiterhin nicht in Sicht. Die Erwartungen der Unternehmen haben sich zuletzt wieder deutlich eingetrübt. Vor allem bei den Beschäftigungsplänen überwiegt weiterhin klar die Zahl der Unternehmen, die mit sinkenden Mitarbeiterzahlen planen. Mit gerade noch rund 173.000 Beschäftigten erreichte die sächsische M+E-Industrie zur Jahresmitte 2026 den niedrigsten Beschäftigtenstand seit über zwölf Jahren, und ein Ende des Negativtrends ist bislang nicht absehbar.
Wenn die IG Metall in dieser Tarifrunde über die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten sprechen will, dann haben wir hier ein gemeinsames Interesse. Beschäftigung lässt sich allerdings nur in wettbewerbsfähigen Unternehmen dauerhaft sichern. Ein Tarifabschluss darf deshalb die Kostenbelastung der Betriebe nicht verschärfen und Investitionen, Wachstum und Beschäftigung weiter erschweren. Auch eine zusätzliche tarifliche Gewinnbeteiligung lehnt der VSME entschieden ab, da Tarifverträge Mindestbedingungen regeln. Entsprechende Regelungen können auch heute schon individuell auf betrieblicher Ebene getroffen werden.
Wir treten in diese Tarifrunde in einer außergewöhnlich herausfordernden wirtschaftlichen Situation ein. Umso wichtiger sind gegenseitiges Verständnis und ein realistischer Blick auf die Rahmenbedingungen, vor denen Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen stehen.
Die Beschäftigten erwarten zu Recht Sicherheit und verlässliche Zukunftsperspektiven. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck und benötigen Handlungsspielräume, um in Deutschland wettbewerbsfähig zu bleiben, zu investieren und Beschäftigung langfristig zu sichern. Beides gehört untrennbar zusammen.
Unser gemeinsames Ziel sollte deshalb ein Tarifabschluss sein, der den erheblich unterschiedlichen wirtschaftlichen Realitäten zwischen den Unternehmen Rechnung trägt und zugleich Verantwortung für die Beschäftigten übernimmt. Wenn es uns gelingt, Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Beschäftigungssicherung in Einklang zu bringen, schaffen wir die Grundlage dafür, industrielle Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze in Deutschland nachhaltig zu erhalten und weiterzuentwickeln.“
Zum Hintergrund: Dem VSME gehören als tarifschließender Arbeitgeberverband 49 Mitgliedsunternehmen mit rund 28.000 Arbeitsplätzen an. In der gesamten Branche im Freistaat arbeiten in rund 1.600 Unternehmen aktuell rund 173.000 Menschen (ohne Zeitarbeiter).
